Gefahren geplanter Kartellrechtsänderungen und die Strategien von Medienkonzernen

verdihhEin Gespräch mit Martin Dieckmann, ver.di-Landesbezirksfachbereichsleiter Medien, Kunst und Industrie Hamburg und Nord, über die Entwicklung in deutschen Zeitungskonzernen auf hamburg.verdi.de

Die Nachrichten von Personalabbau, Zusammenlegungen von Redaktionen, Betriebsspaltungen, Betriebsschließungen im Zeitungsbereich ebben nicht ab. Sie alle ergeben scheinbar einen Flickenteppich. Aber gibt es darin und dahinter vielleicht eine ganz neue und im Sinne der publizistischen Vielfalt ausgesprochen gefährliche Entwicklung? Anlässlich aktueller Entwicklungen hat uns dazu Martin Dieckmann in einem Gespräch einen Einblick in die Hintergründe gegeben. Das Gespräch führte Frank Schischefsky. Weiterlesen

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Beschlussfassung zum GWB-Entwurf erst im Herbst durch die Bundesregierung?

Nach dem Einspruch  von  Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt  (CSU) gegen das GWB hat jetzt auch der Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein, Reinhard Meyer (SPD) einen Nachbesserungsbedarf angemeldet. Im überarbeiteten Kartellgesetz soll ein neuer Paragraph die Marktmacht der großen Lebensmittelhändler Edeka, Rewe, Lidl und Aldi eindämmen. Die Supermarktketten sollen künftig ihre Einkaufspreise offenlegen. Um eine solche Vorschrift soll das GWB ergänzt werden. Gabriels Ministerium will sich zum Vorstoß nicht äußern: „Im Rahmen der Ressortabstimmung laufen auch Gespräche dazu, wie die Vorschriften zum Missbrauch von Nachfragemacht und zum Verkauf unter Einstandspreis effektiver ausgestaltet werden können.“ Hierzu sollten in Abstimmung mit anderen Ressorts Änderungsvorschläge in den Entwurf aufgenommen werden. Gabriels Beamte rechnen mit einer Verabschiedung der 9. GWB-Novelle im Herbst im Bundeskabinett. Danach erst kommt der Entwurf in die parlamentarische Abstimmung im Bundestag.

Verhindern Bauern die geplante GWB-Änderung bei den Verlagen?

dbvDer Deutsche Bauernverband will in dem Gesetzespaket zum Kartellrecht, dem Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB), Regelungen sehen, die „den Missbrauch von Marktmacht im Lebensmittelhandel“ verhindern. Dieses Vorhaben wird von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) und der Bundestagsfraktion der CDU/CSU  unterstützt. Für die dreikooperationswilligen Zeitungsverlage in Berlin, die Berliner Morgenpost, die Berliner Zeitung und den Tagesspiegel kann es bedeuten, dass ihr bisheriger Zeitplan ins Wanken gerät.  Eine Zusammenarbeit im Verlagsbereich ist nach dem bisherigen GWB nicht erlaubt. Die 9. GWB-Novelle soll extra für die Verlage im Abschnitt „Presse“ eine Ergänzung in § 30 b vorsehen, dass Kooperationen  aus wirtschaftlichen Gründen möglich sein können, aber nicht im redaktionellen Bereich. Ursprünglich wollten die drei im Herbst über ihre Vorhaben informieren. Weiterlesen

ver.di Stellungnahme zur GWB-Änderung: Wir sagen Nein!

Der ver.di Fachbereich Medien wendet sich in einer Stellungnahme  gegen die Änderung des § 30b des GWB. Er sehe vor, dass Zeitungs- und Zeitschriftenverlage künftig außerhalb des redaktionellen Bereichs eine verlagswirtschaftliche Zusammenarbeit eingehen können. U.a. in Berlin wollen die drei führenden Zeitungsgruppen, Funke, DuMont und Holtzbrinck ihre gemeinsame Verlagsarbeit ausbauen. Dazu bedarf es einer Änderung des GWB. Hier die Stellungnahme:

ver.di: GWB-Änderung soll Kartellrecht weiter aushöhlen – Zu Gunsten der Verlage

In einer Presse-Erklärung positioniert sich der ver.di Fachbereich Medien zur geplanten Änderung des Kartellrechts/GWB gegen die jetzt vorgesehene Änderung im Abschnitt Presse. Die Bundesregierung höhle damit das Kartellrecht zu Gunsten der Verlage, zu Lasten der Beschäftigten und der publizistischen Vielfalt weiter aus. Der Entwurf sehe in § 30 b vor, dass Zeitungs- und Zeitschriftenverlage künftig außerhalb des redaktionellen Bereichs eine verlagswirtschaftliche Zusammenarbeit eingehen können. Das bedeutet, dass Verlage in allen Bereichen unterhalb der Redaktionsebene, etwa im Anzeigengeschäft, im Vertrieb, bei Druck und Zustellung, kooperieren können. Hier die Presse-Erklärung im Wortlaut: Weiterlesen

Formatt-Institut gegen weitere Deregulierung des GWB

Horst Röper vom Dortmunder FORMATT-Institut sprach sich auf der ver.di-Verlagskonferenz am 4./5. Juli 2016 in Berlin gegen eine weitere Deregelierung des Kartellrechts aus. Die journalistische Vielfalt wird durch den Konzentrationsprozess und die Bildung von Zentralredaktionen immer weiter beschnitten. Zugleich wächst die publizistische Macht der Medienkonzerne – auch gegenüber der Politik. Aufgabe der Politik sei es, für mediale Vielfalt zu sorgen, betonte der Wissenschaftler. Zudem forderte er die Wiedereinführung der vor 20 Jahren unter Kanzler Helmut Kohl (CDU) abgeschafften Pressestatistik, die zumindest eine gewisse Transparenz über die wirtschaftliche Situation der Zeitungsverlage geschaffen habe.

DuMont und Madsack vertiefen ihre Zusammenarbeit

Nach Angaben des Handelsblatt wird die DuMont Mediengruppe „Partner der Madsack-Tochter Webfit, die – vom Inhalt bis zur Technik – Unternehmen ein Komplettpaket für die Erstellung professioneller Online-Portale anbietet.“ Der Anfang solle kommenden Monat in Halle und Köln sein. Ebenfalls ein weiteres Angebot der Madsack Mediengruppe will DuMont künftig einsetzen, das cloudbasierte Anzeigen- und Vertriebssystem Vi&Va.“Die cloud-basierte Madsack-Variante soll, wie der DuMont-Sprecher bestätigt, noch dieses Jahr am Standort Halle implementiert werden“, schreibt das Handelsblatt. In den vergangenen Jahren hatte die Madsack Mediengruppe im Rahmen ihres Programms „Madsack 2018“ fast das gesamte Call-Center Geschäft an die DuMont-Tocher an DuMont Dialog und später auch einen Teil der Satzproduktion an MZ Satz vergeben.

dju-Bundesvorstand gegen Änderung des § 30 GWB

Verdi-Spreeport-BerlinDer Bundesvorstand der dju hat sich auf seiner jüngsten Tagung in Berlin gegen eine Änderung des § 30 des GWB ausgesprochen. Die Bundesregierung will eine Öffnung vom Kartellverbot in § 1, wenn es dafür wirtschaftliche Gründe gebe. Bereits auf der ver.di-Verlagskonferenz zu Beginn der Woche hatte der stellvertretende ver.di-Vorsitzende, Frank Werneke, Bedenken zum entsprechenden Passus im GWB geäußert. Vor allem bei den so genannten Nachbarschaftsverlagen müssen man bei Kooperation kritisch auf die Entwicklungen im Zeitungsmarkt achten, dass sich die großen Gruppen durchsetzen könnten im Anzeigen- und Vertriebsmarkt. Die Betriebsräte sein aufgerufen, sich in diese Debatte einzumischen.

Der Tagesspiegel bereinigt sein Portfolio

bootshandelDie MuP Verlag GmbH in München hat zum 1. August das Magazin Bootshandel von der Tagesspiegel-Gruppe, Berlin, gekauft. Die Tagesspiegel GmbH konzentriere sich künftig auf ihre Kernmarke „Der Tagesspiegel“ sowie auf die darunter angesiedelten Print-, Digital- und Veranstaltungs- angebote. „Die Entscheidung, uns vom Bootshandel zu trennen, ist uns nicht leicht gefallen“, sagte Florian Kranefuß, Geschäftsführer der Tagesspiegel GmbH, zu dem Schritt.

Weitere Grossisten fusionieren

Der Leverkusener Pressevertrieb Leverdy GmbH & Co. KG und der Pressevertrieb & Leister aus Düsseldorf fusionieren, schreibt dnv-online.de. Den Pressegroßhandel der beiden Fusionspartner wird ein Tochterunternehmen unter dem Namen der Leverdy GmbH & Co. KG betreiben. Leverdy wird künftig fast 5.000 Verkaufsstellen im rheinischen und bergischen Raum mit den Großstädten Köln, Düsseldorf und Wuppertal mit Presse beliefern. Der Pressegroßhandel soll bis Ende nächsten Jahres am gegenwärtigen Leverdy-Standort in Leverkusen zusammengefasst werden.

Nordkurier will Full Service-Dienstleister im Paketversand werden

Der Nordkurier hat ein Versandzentrum der Bavaria-Film in Berlin zum 1. Juli 2016 gekauft. Mit der Übernahme der Eurotape Media Services erweitert die Nordkurier Mediengruppe ihren bestehenden Logistikbereich um ein Lager- und Versandzentrum mit mehr als hundert Mitarbeitern und 20.000 m² Geschäftsfläche.„Wir investieren in die Zukunft und gehen einen entscheidenden Schritt weiter in Richtung Full-Service-Dienstleister im Bereich Paketversand“, sagt Lutz Schumacher, Geschäftsführer der Nordkurier. Der Eurotape-Standort im Süden von Berlin soll künftig auch als Hauptumschlagspunkt für den Nordkurier dienen.

9. GWB-Novelle schafft neue Lex „Verlage“

Der Referentenentwurf zur 9. Novelle des Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen ist vom Bundeswirtschaftsministerium am 1. Juli 2016 veröffentlicht worden. In § 30 GWB wird eine neue Sonderregelung für Zeitungs- und Zeitschriftenverlage eingeführt.  Künftig soll bei der Presse eine Ausnahmen von Kartellverboten geschaffen werden (§ 1), wenn für Kooperationen außerhalb der Redaktionen ein erhebliches wirtschaftliches Interesse besteht. Damit wird eine Art Generalklausel zur forcierten „Inobhutnahme“ von kleineren und lokalen Zeitungsverlagen geschaffen. Betroffen würden von den Folgeprozessen sowohl die Verlagsbereiche, also im Vertriebs- und Anzeigengeschäft, wie auch die Redaktionen. Das Gesetz spricht zwar davon, dass die Zusammenarbeit sich auf die nicht redaktionellen Bereiche bezieht, aber  es liegt auf der Hand, dass man auf Basis von gemeinschaftlichen Verabredungen Redaktionskosten besser langfristig geplant werden und mehr auf alle Eventualitäten verzichtet werden kann. Hier der Passus aus dem Referentenentwurf zu Presse § 30.  Weiterlesen

Funke kauft Redaktions-Dienstleister Raufeld Medien

raufled.pngDie Funke Mediengruppe übernimmt 85 Prozent von Raufeld Medien in Berlin und erwirbt damit einen wichtigen Dienstleister für zentrale redaktionelle Inhalt vor allem von Tageszeitungen. Raufeld liefert komplette Zeitungsseiten „zu Themen wie Reise, Auto, Gesundheit oder Technik, Redaktions- und Anzeigenbeilagen, Kulturseiten oder die Komplettproduktion ganzer Zeitschriften: Jedes Produkt wird im Layout und Redaktionssystem des jeweiligen Verlages produziert.“ Raufeld liefert heute für an die 50 deutsche Tageszeitungen entsprechende Inhalte. Die Zeitungen der Funke Mediengruppe waren bisher nicht Kunde vom Raufeld. Zum Portfolio der Content-Agentur in Berlin gehören die Erstellung die Unternehmensmagazine ebenso wie Apps, Websites und integrierte Kommunikationskonzepte zur Produktbewerbung.

Mannheimer Morgen endgültig ohne Medien-Union/Schaub-Gruppe

haasDie Auseinandersetzung um den Anteilserwerb der Medien Union an der Mediengruppe Dr. Haas-Gruppe (Mannheimer Morgen) ist beeendet. Der bisher größte Anteilseigener, die BWK Unternehmensbeteiligung (29 Prozent), hat  ihre Anteile an die anderen Gesellschafter des Dr. Haas-Gruppe veräußert. Die Mehrheit übernimmt die Gesellschaft, einen kleinen Teil kaufen die drei Verlegerfamilien. „Das Unternehmen und die Dr. Haas-Gesellschafter um die Familien Bode, von Schilling und von Reiswitz haben von der BWK Unternehmensbeteiligungsgesellschaft knapp 29 Prozent der Anteile an der Dr.-Haas-Gruppe übernommen. Die Familien sind größtenteils Nachfahren der Unternehmensgründer. Sie halten nun mehr als 90 Prozent an der Mediengruppe“, heißt es in einer Presse-Erklärung der Mediengruppe Dr. Haas. Weiterlesen

ver.di zur Frankenpost/Nordbayrischer Kurier: Pressevielfalt leidet und Arbeitsplätze in Gefahr

img_4291Als weiteren Abbau der Pressevielfalt in Bayern und Gefährdung der Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen wertet ver.di Bayern die geplante Übernahme der Tageszeitung und des Verlages Nordbayerischer Kurier in Bayreuth durch die Frankenpost in Hof, das erklärte Christa Hasenmaile, Leiterin des Medienbereichs in ver.di Bayern. Kritisch sei, dass ausgerechnet die SPD-Tochterfirma Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft (DDVG) das Geschäft möglich gemacht hat. Sie hat ihren 65%-Anteil am Nordbayerischen Kurier an die Frankenpost Hof verkauft, an der sie ebenfalls beteiligt ist. Weiterlesen

Zeitungsgruppe Lahn Dill kauft Verlagshaus E. Weidenbach

Zum 1. Juli 2016 übernimmt die Zeitungsgruppe Lahn Dill (Wetzlardruck) das Druck- und Verlagshaus E. Weidenbach. Hier erscheint die Dill-Zeitung mit einer verkauften Auflage  von 6.450 Exemplaren und verschiedene Anzeigenblätter.  In der Zeitungsgruppe Lahn Dill erscheint die Wetzlarer Neue Zeitung (22.693 verkaufte Exemplare IV/2016) sowie Anzeigenblätter. Nach Medienangaben ist mit dem Kauf kein Stellenabbau verbunden. Die Titel des Druck- und Verlagshaus E. Weidenbach werden seit längerem bei Wetzlardruck produziert.

Frankenpost/SWMH übernimmt Mehrheit vom Nordbayrischen Kurier/dd_vg

Neuer Mehrheitsgesellschafter des Nordbayrischen Kuriers aus Bayreuth wird die Frankenpost, eine Mehrheitsbeteiligung der Südwestdeutsche Medienholding GmbH (SWMH). Künftig hält sie 65 Prozent der Anteile am Nordbayrischen Kurier. Die Deutschen Druck- und Verlagsgesellschaft mbH (dd_vg), ist mit 35 Prozent an der Frankenpost beteiligt ist. Verleger Laurent Fischer behält weiterhin seine 35 Prozent am Nordbayrischen Kurier. Weiterlesen

Pressekonzentration 2016 erneut leicht gestiegen

presskonzen2016Rund 60 Prozent der verkauften Auflagen der deutschen Tageszeitungen werden durch zehn Verlagsgruppen vertrieben. Zu diesen Ergebnis kommt Horst Röper vom Formatt-Institut aus Dortmund in seiner jüngsten Veröffentlichung über den Konzentrationsgrad im deutschen Zeitungsmarkt. Im Vergleich zur letzten Erhebung stiegt der Wert der Pressekonzentration von 59,3 auf 59,9 Prozent. Nach wie vor die Nummer eins unter den Zeitungsverlagen ist Axel Springer mit seinen überregionalen Titeln Bild und Welt bzw. der B.Z. Unter den Abo-Zeitungen ist die Verlagsgruppe Stuttgarter Zeitung/Die Rheinpfalz/Südwest Presse mit einem Marktanteil von 11,8 Prozent die führende Abo-Gruppe sowie Funke und Madsack. Unter den Boulevard-Titel beherrscht Axel Springer mit 79 Prozent den Markt, gefolgt von den DuMont Titeln (10,7 Prozent). Unter den zehn größten Zeitungsgruppen ist die Neue Osnabrücker Zeitungsgruppe erstmalig in der Auflistung aufgeführt. Alle zwei Jahre veröffentlicht Media Perspektiven die Zahlen zur Pressekonzentration im deutschen Zeitungsmarkt.

Fusion im Norden beim Pressegrosso

Die drei Pressegroßhandlungen Bremer Zeitschriften-Handelsgesellschaft Müller & Schultz, Maurer & Nolte, Bremerhaven, und Presseservice Nordwest, Oldenburg, wollen ihre Geschäfte unter dem Dach des neuen Unternehmens Presseservice Nord GmbH in Bremen bündeln. Die drei Firmen agieren künftig als Gesellschafter des neu gegründeten Pressevertriebs, der knapp 6.500 Presseverkaufsstellen vor allem im Nordwesten Deutschlands mit Presse beliefern wird.